03.08.2017
Solarstromspeicher

Musk nicht sein

Tesla-Gründer Elon Musk bringt nun die neue Generation seines Solarstromspeichers Powerwall auf den Markt. Doch Experten sind nicht völlig überzeugt von der Technologie. Selbst ein Unternehmen, das bisher die Powerwall verkauft hat, gibt sich nun zurückhaltender.

Die Verheißung von Elon Musk hatte die übliche Wucht. Im Frühjahr 2015 kündigte der Tesla-Frontmann, dessen E-Fahrzeuge die Autokonzerne dieser Welt nervös machen, seine „Powerwall“ an, einen Solarstromspeicher für das Eigenheim. Nicht nur eine schlauere Technik, auch der Preis – Musk versprach eine Tesla Powerwall mit einer Speichergröße von 6,4 Kilowattstunden (kWh) um 3.000 US-Dollar – sollte alles bisher Bekannte überstrahlen.

Was ist seit der kalifornischen Kampfansage geschehen? Eine Revolution ist in Europa jedenfalls nicht zu bemerken, zumindest noch nicht. Den vermeintlichen Schnäppchenpreis halten Mitbewerber von Tesla jedenfalls für abwegig. Die Vergleichbarkeit ist ohnehin schwierig, erstens weil Musks Kampfpreis von 3.000 Dollar weder Steuern noch Installation enthielt, zweitens weil wichtige Komponenten wie ein Wechselrichter noch nicht dabei waren.

„Was Tesla damals vorstellte, war im Wesentlichen ein Akku. Wenn man einen Solarstromspeicher mit einem Mobiltelefon vergleicht, hat Tesla zu diesem Preis nur den Handy-Akku angeboten“, sagt Matthias Bloch, Pressesprecher des deutschen "Sonnen"-Startups. Das Allgäuer Unternehmen ist mit seiner „Sonnenbatterie“ nach eigener Aussage größter Produzent von Solarspeichern in Europa – jenem Markt, den Tesla nun angreift. Auch Günter Krupitza, Geschäftsführer des österreichischen Anbieters Solavolta, die Photovoltaik-Anlagen und Heimspeicher ausschließlich installiert, sagt: „Wenn man die Preise um die Installation bereinigt hat, ist Tesla vielleicht einen Tick, aber nicht wesentlich günstiger als andere Anbieter.“

Das Prinzip der Solarspeicher ist einfach: Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach erzeugt tagsüber Solarstrom, die Batterie speichert die überschüssige Energie und stellt sie dem Haushalt später zur Verfügung. Die Eigennutzung gilt dabei als wirtschaftlicher, als den selbstproduzierten Strom ins Netz einzuspeisen und für relativ wenig Geld zu verkaufen.

Kaufanreiz: Selbst Strom produzieren

Solavolta machte im vergangenen Jahr Schlagzeilen, weil das Unternehmen mit Sitz in St. Margarethen im Burgenland als erstes in Österreich die Tesla Powerwall lieferte. Man verbaue aber auch Solarspeicher des oberösterreichischen Produzenten Fronius, von Sonnen oder von LG. Auch das Mühlviertler Start-Up Kreisel Electric mischt neuerdings im Segment der Heimspeicher mit.

Eine Sonnenbatterie zum Beispiel würde sich für Käufer in Deutschland nach rund zehn Jahren rechnen, in Österreich wegen der niedrigeren Strompreise wohl erst nach 12 bis 13 Jahren, verspricht Sonnen-Sprecher Bloch. Eine Anlage mit 4 kWh koste inklusive Photovoltaik-Anlage und Installation in Österreich 10.800 Euro (Nettopreis). Wirtschaftlichkeit sei aber ein untergeordnetes Kaufmotiv, glaubt Solavolta-Chef Krupitza. „Unseren Käufern ist wichtig, den Strom selbst zu erzeugen und zu wissen, woher er kommt. Wir verkaufen die Solarspeicher nicht darüber, dass es sich irgendwann einmal rechnet.“

Erfahrungen mit Tesla „ernüchternd“

Technisch gesehen setzt Tesla wie andere Anbieter auf Lithium-Ionen-Zellen, wobei sich die Materialien der Zellen zwischen den Herstellern stark unterscheiden. Die Tesla Powerwall sei „etwas kleiner, kompakter und vielleicht hübscher“ als andere Solarspeicher, sagt Krupitza. „Den Wahnsinnsunterschied gegenüber anderen Anbietern gibt es aus meiner Sicht aber nicht.“ Die Erfahrungen mit Tesla im Vorjahr nennt er „eher ernüchternd“.

Momentan gibt es die erste Generation der Powerwall in Österreich nicht mehr zu kaufen, die Powerwall 2 ist allerdings bereits angekündigt. Solavolta werde vorläufig erst einmal mit dem Ein- und Verkauf der neuen Generation zuwarten. „Wir werden diesmal keine Vorreiterrolle übernehmen“, sagt Krupitza.

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Lukas Kapeller