17.08.2017
LEITFADEN FÜR UNTERNEHMEN

Wie die Industrie erneuerbare Prozesswärme optimal nutzen kann

Wärmepumpen und solarthermischen Anlagen liefern kostengünstige und erneuerbare Prozesswärme für Industriebetriebe. Aber viele Unternehmen sind dahingehend noch skeptisch. Ein Projektkonsortium hat jetzt neue Ansätze zur Integration der beiden Technologien erarbeitet.

Vielen Unternehmen fehlt noch die Erfahrung
und das Wissen in Hinblick auf die Nutzung von
Wärmepumpen und Solarthermie - um das zu
ändern, wurde jetzt ein Leitfaden entwickelt,
der zeigt, wie man erneuerbare Energie
optimal nutzen kann.
Bild:Klima- und Energiefonds  


Mehr als ein Viertel der in Europa benötigten Energie entfällt auf die Industrie. Nahezu 60 Prozent davon stammen von nicht erneuerbaren Energieträgern. Will man die europäischen Klimaschutzziele erreichen, gibt es also dringenden Handlungsbedarf. Die technischen Voraussetzungen für eine Kursänderung in Richtung Nachhaltigkeit sind in diesem Sektor vorhanden: So gibt es bei Wärmepumpen und solarthermischen Anlagen erwiesenermaßen beträchtliche Potenziale bei der Bereitstellung industrieller Prozesswärme. Mittlerweile werden diese Technologien zwar zunehmend von Firmen genutzt, viele stehen ihnen aber noch immer zurückhaltend gegenüber. So entscheiden sich etwa Unternehmen gegen erneuerbare Energien, weil sie einen hohen Planungs- und Kostenaufwand befürchten.

12 Praxisfälle analysiert – Integrationskonzept erstellt
Aus diesem Grund hat der Klima- und Energiefonds das Forschungsprojekt „EnPro - Erneuerbare Prozesswärme“ initiiert. Dazu erklärt Klima- und Energiefonds Geschäftsführerin Theresia Vogel: „Wärmepumpen und Solarthermie zählen zu den Schlüsseltechnologien zur Bereitstellung erneuerbarer thermischer Energie und können einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Pariser Klimaziele leisten. In industriellen Prozessen werden diese Technologien allerdings noch in viel zu geringem Umfang zur Wärmeversorgung eingesetzt. Mit ,EnPro – Erneuerbare Prozesswärme‘ tragen wir dazu bei, dass sich dies rasch ändert und initiieren Innovationen in der Wirtschaft.“
Das Projektkonsortium mit AIT (Austrian Institute of Technology), Technische Universität Wien (Institut für Energietechnik und Thermodynamik) und AEE Intec hat nun neue Ansätze zur Integration der beiden Technologien erarbeitet: „Wir haben anhand von zwölf Fallstudien die Energieprozesse in ausgewählten Industriesektoren analysiert und darauf aufbauend Konzepte zur Integration von Solarthermie und Wärmepumpen in industrielle Prozesse entwickelt“, so Jürgen Fluch von der AEE Intec.

Intensive Forschung
„In vielen Industrieanwendungen kann das Temperaturniveau der eingesetzten Wärme noch gesenkt und die Versorgung von Prozessdampf auf Heißwasser umgestellt werden“, so Karl Ponweiser von der TU Wien. Dies sei aber nicht in allen Anwendungsfällen möglich. Hier schließt Veronika Wilk vom AIT Center for Energy an: „Mit Hochtemperatur-Wärmepumpen wird man in absehbarer Zeit Dampf für den industriellen Einsatz erzeugen können. Auch Kombinationen von Wärmepumpen und Solarthermie haben Potenzial.“ Und die Forscherin ist überzeugt: „Neben der technologischen Weiterentwicklung ist die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse in Vorzeigeprojekten der nächste notwendige Schritt.“ 

Wertvolle Informationen: Leitfaden und Berechnungswerkzeug
Da vielen Unternehmen noch Erfahrung und Wissen in Hinblick auf die Nutzung von Wärmepumpen und Solarthermie fehlt, hat die Forschungsgruppe einen speziellen Leitfaden entwickelt. Darin werden die verschiedenen Integrationskonzepte beschrieben und durch Beispiele illustriert. Zudem wird den Firmen, Planern sowie den Produzenten von Wärmepumpen und Solarthermieanlagen ein Berechnungstool zur Verfügung gestellt, mit dem sie verschiedene Integrationsvarianten technisch und wirtschaftlich bewerten können. Auch eine Übersicht der aktuellen Förderprogramme findet sich im Leitfaden. Hier geht es zum Leitfaden (PDF, 645 KB).



www.ait.ac.at
www.tuwien.ac.at
www.aee-intec.at
www.klimafonds.gv.at