25.06.2013
HILFE BEI AUSSCHREIBUNGEN

Neue Wettbewerbsordnung der Ingenieurbüros (WOI)

Der Fachverband Ingenieurbüros stellt eine neue, eigene Wettbewerbsordnung vor, die für Kommunen und private Auftraggeber eine praktikable Hilfe bei Ausschreibungen bietet. Die neue Wettbewerbsordnung ist für viele Projekte geeignet und bringt etliche Vorteile.

Informierten am 24.Juni 2013 über die
neue WOI-Wettbewerbsordnung der Ingenieurbüros (v. l.):
Univ.-Prof.DI. Lilli Licka (BOKU Wien),
Ing. Christian Pelzl (Obmann des Fachverbandes Ingenieurbüros),
Dr. Ulrike Ledóchowski (GF Fachverband Ingenieurbüros)

Bild: E.Herrmann  

Obwohl jedem (erfahrenen) Bauherrn bekannt ist, dass die billigste Planung nur in den seltensten Fällen zum besten Projekt führt, erfolgt die Auswahl des Planers noch immer häufig aufgrund des billigsten Preises.

Planungswettbewerb statt Billigstbieter

Jeder Bauherr ist sehr bald mit der Frage konfrontiert, „wie komme ich zu einer guten Planung / wie finde ich den bestgeeigneten Ingenieur?“. Das trifft den privaten Haubesitzer ebenso, der sich eine neue, umweltfreundliche und wirtschaftlichere Heizungsanlage wünscht; den Unternehmer, der seine Produktionshalle erweitern will; und besonders den Bürgermeister als öffentlichen Auftraggeber, der ein Bauvorhaben in seinem vielfältigen Aufgabenbereich umsetzen muss/will (Neubau Gemeindeamt, Kindergartenzubau, Kläranlagenanpassung, Kanalsanierung, Biomasseheizwerk, Schwimmbad….).

Fakt ist, dass in der Praxis bisher meist der Billigstbieter zum Zug kommt. Damit, sind die Probleme aber meist vorprogrammiert: lückenhafter Planungsauftrag, unvollständiger/ unbefriedigender Lösungsvorschlag, Verzögerung, Zusatzauftrag, Mehrkosten, bis hin zu unvollständiger Bauausführung und im schlimmsten Fall Dauerprobleme in der Objektnutzung.
Um diese Probleme präventiv zu vermeiden, ist es sinnvoll einen Wettbewerb durchzuführen, bei dem die beste Lösung ermittelt wird. Der Wettbewerb ist ein Instrument, gezielt Höchstleistungen zu erreichen. Aber:

Was gilt es dabei jedoch zu beachten?
Wann rechtfertigt sich der Aufwand für einen Wettbewerb?
Wie wickelt man ihn effizient und rechtskonform ab?
Welche Aufgabenstellungen kommen für Wettbewerbe überhaupt in Frage?

Mit der neuen WOI gibt es nun auch Antworten auf diese Fragen in den vielen Disziplinen des Ingenieurbereichs. Dann bisher gab es nur im Architekturbereich eine entsprechende Wettbewerbsordnung.
Je komplexer ein Projekt oder Bauhvorhaben ist, desto sinnvoller und wichtiger wird die Ingenieurleistung und damit ein Wettbewerb der besten Planungsleistungen.

„Der beste Weg zum besten Lösungsansatz ist nicht die billigste Planung sondern der Planungswettbewerb, je nach Projekt und zutreffenden Kriterien, in gestalterischer, funktionaler, konstruktiver, wirtschaftlicher, innovativer, sozialer und/oder ökologisch nachhaltiger Hinsicht“, betont Ing. Christian Pelzl, Obmann des Fachverbandes Ingenieurbüros.

Wettbewerb – sinnvolles, kostensparendes Instrument

Der Wettbewerb ist also ein sinnvolles Instrument für den Bauherrn als Auftraggeber wie auch für den planenden Ingenieur als Auftragnehmer. Ob ihm ein Praxisbeispiel bekannt sei, wo eine im Wettbewerb ermittelte Planungsleistung technische und ökonomische Vorteile gebracht hätte, wollte HLK vom Fachverbandsobmann wissen. Pelzl: „Ja. Bei der Erstplanung für einen Abwasserverband wurden 17 Millionen Euro für das Projekt veranschlagt. Das erschien dem Auftraggeber zu viel, weshalb er einen Wettbewerb durchführte. Der Sieger des Planungswettbewerbs kam mit Projektkosten von 10 Millionen Euro aus“.

Bundesvergabegesetz und Wettbewerb

Wollen Auftraggeber ein Wettbewerbsverfahren durchführen, so ist diesem eine Wettbewerbsordnung zugrunde zu legen.
Dies legt das Bundesvergabegesetz (BVergG) für öffentliche AusloberInnen / AuftraggeberInnen im § 155(3) und für SektorenausloberInnen/-auftraggeberInnen im § 287(3) zwingend fest. Auch private AusloberInnen/AuftraggeberInnen sollten gleichermaßen einem Wettbewerbsverfahren eine Wettbewerbsordnung zugrunde legen.

Univ. Prof. DI Lilli Licka, Leiterin des Instituts für Landschaftsarchitektur an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien, meint, dass die neue Wettbewerbsordnung der Ingenieurbüros auf die gesetzlichen Vorgaben aufbaue, so auch auf das Bundesvergabegesetz. Sie erleichtere sogar dessen Einhaltung und fördere Ausschreibungen, die zur besten Lösung führen. Prof. Licka war Mitglied der Arbeitsgruppe, welche die WOI erarbeitete.

WOI ist Hilfestellung

Die neue Wettbewerbsordnung für Ingenieurleistungen (WOI) bietet unabhängig von der Bauaufgabe eine Hilfestellung bezüglich der ordnungsgemäßen Abwicklung, der Rechts- und Verfahrenssicherheit und der Transparenz des gesamten Prozesses. Die WOI informiert umfassend auf praktische Art und mit wichtigen Verweisen auch auf das Bundesvergabegesetz.

Solide durchgeführte Prozesse führen auch zu größerer Rechtssicherheit – „weil, Einsprüche oder langwierige Nachbesserungen sind immer kostspielig“, so Prof. Licka. Diese gilt es also zu verhindern um auch schon im Verfahren selbst Kosten zu sparen. Dem Fachverband Ingenieurbüros, so Ing. Pelzl, war es besonders wichtig, eine fachgebietsneutrale, fachübergreifende und nicht einengende Wettbewerbsordnung für Ingenieurleistungen zu bieten, die eine Teilnahme aller Befugten ermöglicht, ohne einzelne Berufsgruppen bzw. Mitglieder von Interessenvertretungen auszuschließen. Das ist mit der WOI gelungen. Nicht zuletzt soll mit der neuen WOI auch die Hemmschwelle, Wettbewerbe durchzuführen, gesenkt werden.

Betroffene Fachgebiete / Rechtsberatung

Von der neuen Wettbewerbsordnung sind, wie Dr. Ulrike Ledóchowski, Geschäftsführerin des Fachverbandes Ingenieurbüros, ausführte, viele Fachgebiete betroffen, d.h. auch Nutznießer. Alleine in der Landschaftsplanung können sich 174 Planer der WOI bedienen, in der Raumplanung sind es 80, bei der Kulturtechnik und Wasserwirtschaft 422, die Innenarchitekten sind mit 701 Betrieben betroffen – und „da sind die vielen Planer und Auftraggeber aus der Baubranche noch nicht erwähnt“! Dass damit auch Arbeitsplätze direkt und indirekt gesichert werden, wird durch das starke Engagement des bundesweiten Arbeitskreises für diese WOI bestätigt, die damit auch die Bedeutung der qualitativ hohen Planung unterstreichen. Der Fachverband Ingenieurbüros bietet überdies, so Ledóchowski, öffentlichen Auftraggebern bei der Anwendung der WOI kostenlose Rechtsberatung an.

Außerdem stehen alle Fragen zur neuen Wettbewerbsordnung für Ingenieurleistungen (WOI) im Mittelpunkt eines kostenlosen Seminars, das am 24. Oktober 2013 in der WKO in Wien stattfindet. Auf den Websites des Fachverbandes der Ingenieurbüros wird darüber informiert; dort kann man sich auch die neue WOI als PDF runterladen.

Die neue WOI kann beim
Fachverband Ingenieurbüros
als PDF runtergeladen
werden und ist kostenlos.

Bild: FV Ingenieurbüros  

www.ingenieurbueros.at