27.01.2017
ÖSTERREICHS WASSERVERSORGER

Garanten für sicheres und sauberes Trinkwasser

Beim Symposium „Wasserversorgung“ der ÖVGW wurden aktuelle Fragen der Wasserversorgung erörtert und darauf hingewiesen, dass zum Schutz der Grundwasserressourcen eine Früherkennung von Schadstoffen essenziell für die sichere Wasserversorgung in Österreich ist.

DI Franz Dinhobl (ÖVGW-Vize-Präsident) und
Dipl-HTL-Ing. Manfred Eisenhut (ÖVGW-Bereichsleitung Wasser)
berichteten beim Symposium „Wasserversorgung“ über aktuelle
Themen, die die Wasserversorgung beschäftigen (v.l.).

Bild: ÖVGW

 

Eine sichere Versorgung mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser ist im internationalen Vergleich keine Selbstverständlichkeit. Um diesen hohen Standard in Österreich zu halten und um die Bevölkerung darüber zu informieren, was hinter einer sichereren Wasserversorgung steckt, organisiert die ÖVGW auch 2017 wieder zahlreiche Schulungen, Symposien und Informationsveranstaltungen.
Den Auftakt bildete am 25. und 26. Jänner 2017 das Symposium Wasserversorgung in Wien. Hier wurden aktuelle technische, rechtliche, wirtschaftliche und ökologische Fragen der Wasserversorgung von Expertinnen und Experten der Branche genau erörtert. Im Mittelpunkt des Symposiums stand das Ziel, auch in den kommenden Jahrzehnten Trinkwasser in bester Qualität bereitzustellen. Dabei wurde auch auf Gefahren hingewiesen, die diesem Ziel mitunter im Wege stehen. Denn Einträge von Schadstoffen ins Grundwasser gefährden die Trinkwasserversorgung. Arzneimittel wie Antibiotika und Schmerzmittel sowie Pflanzenschutzmittel hinterlassen ihre Spuren im Wasserkreislauf.

Medikamente und Pflanzenschutzmittel im Wasserkreislauf
Die Anwendung von Arzneimitteln ist für die Heilung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten wesentlich. Medikamente und Verhütungsmittel umfassen eine Vielzahl an unterschiedlichen Wirkstoffen und werden in der Human- und Veterinärmedizin in großen Mengen eingesetzt. Nach der Verabreichung werden die Wirkstoffe entweder unverändert oder in verstoffwechselter Form aus dem Körper wieder ausgeschieden und gelangen so über das Kanalnetz zur Kläranlage. Dort werden die Rückstände größtenteils entfernt. Manche Arzneimittelstoffe gelangen aber auf Grund ihrer hohen Widerstandsfähigkeit dennoch in sehr geringen Mengen über die Kläranlagenabflüsse in die Oberflächengewässer, wie die aktuelle Studie des Umweltbundesamtes zu „Arzneimittelrückständen in der Umwelt“ aus dem Jahr 2016 zeigt. Am häufigsten erfolgten Nachweise folgender Wirkstoffe
  ►jod-haltige Kontrastmittel, Lipidsenker, Beta-Blocker und synthetische Hormone
  ►sowie die Arzneimittelwirkstoffe Carbamazepin (Antiepileptikum), Diclofenac (Analgetikum) und Sulfamethoxazol (Antibiotikum).

Durch die Verwendung von tierischen Ausscheidungen wie Jauche oder Stallmist als Dünger für landwirtschaftliche Nutzflächen können ebenfalls Arzneimittel in umliegende Gewässer ausgewaschen werden.

Österreichische Wasserversorgung durch Monitoring sichern
„Nur durch eine Früherkennung von Schadstoffspuren im Wasserkreislauf und den umfassenden Schutz der Grundwasserressourcen kann der hohe Qualitätsstandard des Trinkwassers und die Versorgungssicherheit in Österreich weiterhin gewährleistet werden. Der Erhalt der guten Grundwasserqualität geht uns alle an: Sowohl Politik, als auch Wasserversorger und Privatpersonen“, so ÖVGW-Vize-Präsident Franz Dinhobl.
Durch das sehr gute Monitoring in Österreich lassen sich zukünftige Gefahren von Schadstoffen schnell und gut erkennen. Der Grundwasserzustand wird in Österreich regelmäßig untersucht und bewertet, damit gegebenenfalls geeignete Maßnahmen veranlasst werden können.
„Derzeit sind die Konzentrationen von Arzneimittelrückständen in den Gewässern noch äußerst gering und unproblematisch. Wir appellieren aber an die EU-Kommission, die Initiative zur Wiederverwendung von Kläranlagenablaufwasser zur Beregnung in der Landwirtschaft nur in jenen Regionen vorzuschreiben, wo dies auch dringend notwendig ist. Österreich bezieht sein Trinkwasser zu 100 % aus Grund- und Quellwasser. Nur 7 % davon müssen aufbereitet werden. Die von der EU vorgeschlagene Maßnahme wäre daher in Österreich völlig kontraproduktiv, da das Grundwasser dadurch verstärkt mit Arzneimittelrückständen angereichert werden würde“, so Dinhobl weiter. Die ÖVGW setzt sich daher dafür ein, sich intensiv mit den klimatisch bedingten Herausforderungen in der Wasserwirtschaft zu beschäftigen.

Arzneimittel sachgerecht entsorgen
Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Arzneimitteln trägt entscheidend dazu bei, dass die hohe Wasserqualität in Österreich erhalten bleibt. „Zahlreiche Personen entsorgen nicht verwendete Arzneimittel leider unsachgemäß. Wir appellieren daher dringend an die Bevölkerung, ungenutzte Medikamente sachgerecht zu entsorgen. Das heißt: Nicht benutzte Medikamente oder Chemikalien des täglichen Gebrauchs, wie zum Beispiel Reinigungsmittel oder Cremes, keinesfalls über die Toilette oder das Abwasser entsorgen! Altmedikamente sollten dringend in der Apotheke oder der Problemstoffsammlung abgegeben werden, damit diese nicht in den Wasserkreislauf gelangen und die Gewässer vor Verunreinigungen geschützt werden“, appelliert Manfred Eisenhut, ÖVGW-Bereichsleiter Wasser.

www.ovgw.at