Energiesparmesse 2012
25.11.2009
Klimawandel

Verschärfte EU-Gebäuderichtlinie kommt

Das Europäische Parlament und der Europäische Rat haben sich vor kurzem auf eine Novellierung der Gebäuderichtlinie geeinigt, die weitreichende und verschärfte Veränderungen in der Bau- und Immobilienbranche sowie der HLK-Branche bringen wird.

Am 18. November 2009 wurde in Brüssel Einigung erzielt, dass die Gebäuderichtlinie hinsichtlich Gesamtenergieeffizienz novelliert wird. Damit hofft man, einen großen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutz- und Energieziele der EU für 2020 und zur Förderung der europäischen Wirtschaft zu leisten.
Die neue EU-Gebäuderichtline wird für strengere Bauvorschriften und Anforderungen an die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden in der gesamten EU führen und legt 2020 als das Jahr fest, ab dem alle Neubauten nahezu energieautark sein müssen. Was „nahezu energieautark“ bedeuten soll, wurde in der EU-Aussendung jedoch nicht präzisiert.

Ziele der neuen Richtlinie
Ziel des neu gefassten Vorschlags ist es, den Geltungsbereich der aktuellen Richtlinie auszuweiten und sie zu stärken. Hierzu wird ein rechtlicher Rahmen für die Verschärfung der nationalen Bauvorschriften festgelegt und eine ehrgeizige Politik für beinahe energieautarke Gebäude auf den Weg gebracht, damit ab 2020 alle Neubauten so gut wie keine Energie benötigen.
Was den Gebäudebestand betrifft, so werden die Mitgliedstaaten auch nationale Pläne zur Erhöhung der Zahl der nahezu energieautarken Gebäude erstellen.
EU-Energiekommissar Andris Piebalgs erklärte: „Die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ist der Schlüssel dazu, dass wir unsere EU-Klimaschutz- und -Energieziele für das Jahr 2020 erreichen, d. h. unsere Treibhausgasemissionen verringern und 20 % Energie einsparen. Mit dieser Einigung sendet die EU ein deutliches Signal an die bevorstehenden Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen. Die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ist eine kosteneffektive Möglichkeit, den Klimawandel zu bekämpfen, die Energieversorgungssicherheit zu verbessern und gleichzeitig die Baubranche sowie die gesamte Wirtschaft in der EU zu fördern.“


„EU-Gebäuderichtlinie neu“: Ab 2020 müssen alle neuen Gebäude durch entsprechend hohe Energieeffizienzstandards und Einsatz dezentraler erneuerbare Energieträger „nahezu energieautark" sein.

Bild: E. Herrmann

 

 

Wichtige Neuerungen
Hier einige der Neuerungen, welche die erweiterte EU-Gebäuderichtlinie bringen soll:

  • Alle neuen Gebäude müssen ab 2020 „nahezu energieautark“ sein; durch entsprechend hohe Energieeffizienzstandards und Einsatz dezentraler erneuerbare Energieträger.
  • Vorbildfunktion des öffentlichen Sektors: Obige Ziele sollen bereits ab 2018 gelten.
  • Energieausweis neu: die Grenze für öffentliche Gebäude, ab der ein Energieausweis auszustellen und auszuhängen ist, wird von 1.000 m² auf 500 m² und nach 5 Jahren auf 250 m² herabgesetzt.
  • Anreize für deutliche Energieeffizienzsteigerungen bei Gebäudesanierungen
  • Energieeffizienz-Indikatoren sind in Verkaufs- oder Vermietungsanzeigen anzugeben.

Außerdem ist davon auszugehen, dass der „Energieausweis neu“ weitere oder neue Kennwert-Parameter enthalten wird – an der nationalen Umsetzung dafür wird in Österreich bereits gearbeitet. Ende 2010 könnte der „Energieausweis neu“ bereits gelten.

Klimawandel: Jedes Lebewesen massiv betroffen
In der EU entfallen 40 % des Energieverbrauchs und 36 % der CO2-Emissionen auf den Gebäudesektor. Schätzungen zufolge könnte die EU durch eine Verschärfung der Bestimmungen der Gebäuderichtlinie ihre Treibhausgasemissionen in einer  Größenordnung verringern, die 70 % des aktuellen Kyoto-Ziels der EU entspricht.
Ein wichtiger Schritt, der den Klimawandel aber nicht mehr aufhalten wird. Denn der vollzieht sich viel rascher, als von vielen Wissenschaftern noch vor weniger Jahren vermutet. Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen wird der Versuch unternommen, die Treibhausgasemissionen so weit zu reduzieren, dass der globale Temperaturanstieg nicht mehr als +2°C beträgt. Viele Wissenschafter weltweit gehen auf Basis des derzeitigen Energieverbrauchs und Wirtschaftswachstums aber von einer Temperaturerhöhung um +7°C bis zum Ende dieses Jahrhunderts aus!!!!
Zum Vergleich: Zwischen der Zeit, als in England Wein kultiviert werden konnte und der „kleinen Eiszeit“ im 16 Jahrhundert lag ein Temperaturunterschied von 0,8 °C.
Die Auswirkungen eines Temperaturanstiegs von +7°C, wie jetzt prognostiziert, werden alle Menschen dieses Planeten vor einen Überlebenskampf stellen. Auch im reichen Europa. Was passiert, wenn z. B. in Österreich drei Jahre lang kein Niederschlag fallen würde? Was passiert, wenn z. B. in Deutschland in einer Woche soviel Regen fällt wie sonst in einem Jahr?
Die Folgen des Klimawandels werden aber nicht erst in ferner Zukunft für jeden Menschen nachvollziehbar – die ersten Auswirkungen des Klimawandels sind bereits jetzt zu spüren und werden in den kommenden Jahren an Rasanz und Intensität zunehmen.


Auf Basis des derzeitigen Energieverbrauchs und Wirtschaftswachstums wird von einer globalen Temperaturerhöhung um +7°C bis zum Ende dieses Jahrhunderts ausgegangen!!!!

Bild: E.Herrmann

 

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