30.09.2014
BRANCHENRADAR

Wieder mehr Schattenwirtschaft

Die Schattenwirtschaft mit Baudienstleistungen wächst in Österreich 2014 voraussichtlich um mehr als vier Prozent geg. VJ. Verantwortlich dafür ist der schwache Arbeitsmarkt, berichtet der aktuelle Branchenradar „Schattenwirtschaft am Bau in Österreich 2014“.

Kreutzer Fischer & Partner errechnet seit 2003 jährlich die Volumina der Schattenwirtschaft im Sektor Bauen & Wohnen. Die aktuelle „Branchenradar“-Studie „Schattenwirtschaft am Bau in Österreich 2014“ zeigt: Von einer kränkelnden Baukonjunktur ist bei den heimischen Pfuschern nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil, der Markt „brummt“ wie schon lange nicht. Nach vorläufigen Zahlen wächst die Schattenwirtschaft mit Baudienstleistungen heuer um +4,4 % gegenüber dem Vorjahr.
Insgesamt werden alleine mit baubezogenen Dienstleistungen etwas mehr als 8 Mrd. Euro ohne jede weitere Besteuerung am Fiskus und der Sozialversicherung vorbei erwirtschaftet.

Fast 9 % mehr „Privater Pfusch“ als 2013
Für das Wachstum verantwortlich sind dabei ausschließlich private Pfuscher. Die Erlöse aus der „Nachbarschaftshilfe“ steigen heuer im Jahresabstand voraussichtlich um +8,5% auf nahezu 4,5 Mrd. Euro.
Wachstumstreiber ist zweifelsohne der schwache Arbeitsmarkt. Mit Stichtag Ende August waren in Österreich am Bau und im Bauhandwerk mehr als 20.000 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind um nahezu 2.750 Personen (+15,6 % geg. VJ) mehr als im Jahr davor. Dabei sind die Sommermonate am Bau normalerweise „Prime time“. Viele dieser beschäftigungslosen Bauhandwerker sitzen die Arbeitslosigkeit aber nicht zu Hause ab, sondern bieten ihre Dienstleistung am Schwarzmarkt an bzw. erhöhen ihr einschlägiges Engagement. Folglich erhöht sich durch die steigende Anzahl an arbeitslosen Bauhandwerkern automatisch das Angebot an privaten Pfuschern. Und dieses Angebot wird offenbar von den privaten Haushalten wohlwollend angenommen, nicht zuletzt weil die Preise für legale Baudienstleistungen rasch wachsen. In den letzten zehn Jahren wuchs der Baupreisindex im Wohnungs- und Siedlungsbau um rund 40 % rascher als die Inflation.
Konstant ist indessen das Volumen im gewerblichen Pfusch. Der Umsatz aus „Ohne-Rechnung-Geschäften“ stagniert bei rund 3,5 Mrd. Euro.

Alle Gewerke betroffen
Die steigende Nachfrage nach privaten Pfuschern bzw. „Ohne-Rechnung-Geschäften“ zieht sich durch alle Gewerke. Die Wachstumsraten liegen zwischen +6,1 % geg. VJ für Gartenarbeiten und +3,0% geg. VJ in der Haustechnik. Insofern bleiben auch die Marktanteile der Gewerke am Pfuscher-Markt nahezu stabil. Den größten Teil des Umsatzkuchens holt sich das Bauhauptgewerbe mit 3,05 Mrd. Euro (38 %). Dahinter folgen Haustechnik mit 2,05 Mrd. Euro (26 %) und der Innenausbau (Boden, Wand, Decke) mit 1,85 Mrd. Euro. Deutlich kleiner sind die Segmente „Dach“ mit 600 Mio. Euro, Garten mit 350 Mio. Euro und Einrichtung mit 100 Mio. Euro.

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