12.07.2012
Solarstrom-Anlagen

Warum sie ineffektiv sein können

Die Analyse der Ertragsdaten aus 600.000 Photovoltaik-Anlagen in Deutschland ergab Interessantes: Es gibt signifikante Leistungsdefizite bei allen Anlagengrößen. 12 % arbeiten ineffektiv. Warum das so ist und was man dagegen tun kann, zeigt dieser Beitrag.

Insgesamt wurden 600.000
Photovoltaik-Anlagen
in Deutschland auf
ihre Effizienz
untersucht.
Bild: smartlblue AG  

Viele Solarstrom-Anlagen [Photovoltaik(PV)-Anlagen] in Deutschland erreichen teilweise weniger als die Hälfte des Stromertrages, den sie einbringen könnten. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse natürlich großteils auch auf österreichische Anlage zutreffen. 

12 % der PV-Anlagen arbeiten ineffektiv
Im Schnitt laufen 12 % aller PV-Anlagen unterhalb 750 kWh/kWp, bei den kleineren Anlagen mit weniger als 10 kW Leistung sind es sogar 15 %. Die höchste Rate an Anlagen mit Minderleistung verzeichnen Anlagen zwischen 250 kW und 1 MW Leistung: Mehr als 16 % produzieren deutlich weniger Strom, als selbst unter ungünstigen Verhältnissen zu erreichen wäre. Zum Vergleich: In Südbayern lassen sich etwa 1.000 bis 1.100 kWh/kWp erreichen, in Norddeutschland sind noch 800 bis 900 kWh/kWp möglich.
Diese Zahlen sind Ergebnisse einer Auswertung im Auftrag der smartblue AG . Insgesamt hat die Analyse die Daten von über 600.000 Anlagen aus ganz Deutschland berücksichtigt, die von der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie (DGS) auf energymap.info stammen.

Warum weniger Leistung generiert wird
Für die Minderleistungen sind unterschiedliche Faktoren verantwortlich. „Sowohl Defekte der Verkabelung als auch der Module tragen zur Minderleistung von Solaranlagen bei. Modulfehler werden hierbei häufig gar nicht oder erst viel später entdeckt “, erläutert Tomi Engel, Mitglied der DGS, das Ergebnis. „Ähnlich verhält es sich bei Verschattungen – schon Stromleitungen können die Leistung einzelner Strings spürbar senken. Bleiben schleichend zunehmende Ertragsminderungen wie wachsende Bäume oder Büsche unerkannt, können Solaranlagen schnell unrentabel werden.“

Verschattung, beschädigte Strings,
defekte Verkabelung, unbemerkte
Hagelschäden, schlechtes Wetter,
Altersdegeneration der Zellen sind
Ursache dafür, wenn die Leistung
von PV-Anlage nicht optimal
genutzt wird.

Bild: smartblue AG  

Anlagenüberwachung hilft
Der Einsatz von Monitoring-Lösungen für Photovoltaik-Anlagen kann hier Abhilfe schaffen: Die Überwachungsanlagen messen die Daten der Solarkraftwerke und verständigen bei möglichen Defekten die Besitzer. Wichtig ist hierbei allerdings, dass eine entsprechende Auswertung der Daten erfolgt. Sonst müssen sich die Anlagenbesitzer selber Ihre Schlüsse aus den Daten ziehen, und das ist oft schlicht nicht möglich. Von Vorteil ist eine möglichst detaillierte Überwachung der Anlage, im Idealfall bis auf das einzelne Modul genau – samt entsprechend tiefgreifender Auswertung der so ermittelten Daten.
Produziert ein Solarkraftwerk weniger Strom als prognostiziert, kann dies auch an einem schlechten Monat liegen – oder an einem Defekt der Anlage. Die perfekte Überwachung erkennt den Grund dafür und kann unterscheiden, ob schlechtes Wetter, Defekte, altersbedingte Degradationen oder Verschattungen die Ursache für die Ertragsminderung sind“, erklärt Dr. Philipp Geiger, Gründer und Vorstand der smartblue AG. Das Unternehmen hat eine Überwachungslösung namens Smart Monitor entwickelt, die genau diese Analyse und Informationsaufbereitung automatisch durchführt.

Smart Monitor
Der Web-basierte Service „Smart Monitor“ ist kompatibel zu einer Vielzahl von gängigen Überwachungsgeräten im Markt und umfasst einfaches Wechselrichter-Monitoring, die Überwachung von Strings bis zu einem detaillierten Monitoring einzelner Module.
Die Bedeutung solcher Überwachungslösungen und die Aussage der Analyse unterstreichen auch Experten aus Wissenschaft und Technik. „Fällt nur auf ein einziges Modul ein Schatten oder ist nur ein Modul – etwa durch ein Hagelkorn – beschädigt, sinkt die Leistung des ganzen Strings signifikant. Die ermittelten Werte erscheinen mir leider durchaus realistisch“, sagt Prof. Dr.-Ing. Wilfried Zörner, Wissenschaftlicher Leiter des Kompetenzfeldes Erneuerbare Energien der Hochschule Ingolstadt.

www.smartblue.de
www.energymap.info