14.03.2012
Austrian Energy Agency

Europas Wohngebäude werden zum "Typ"

Die rund 2 Millionen Gebäude in Österreich stammen aus einer Vielzahl von Bauperioden und weisen neben verschiedenen Größen und Einsatzzwecken Unterschiede in der Bausubstanz und technischen Ausstattung auf. Der enorme Energiebedarf im Gebäudesektor zwingt zum Handeln.

Die Einteilung des Bestandes nach den wesentlichen Eigenschaften erlaubt rasch erstellte Prognosen für Sanierungsmaßnahmen und schafft Grundlagen für gezielte politische und ökonomische Entscheidungen.

Im EU-Projekt Tabula (Typology Approach of Building Stock Energy Assessment) aus dem Programm Intelligent Energy Europe (IEE), in Österreich kofinanziert durch klima:aktiv, wurde ein auf europäischer Ebene abgestimmtes Konzept für Gebäudetypologien entwickelt. Die bisherigen Projektergebnisse sowie Erfahrungen mit den länderspezifischen Gebäudetypologien wurden kürzlich auf einem von der Österreichischen Energieagentur organisierten internationalen Expertenworkshop in Wels präsentiert und zur Diskussion gestellt.

Das EU-Projekt Tabula setzt auf nationale Gebäudetypologien als Bewertungsinstrument für Energie- und CO2-Einsparpotenziale
Bild: Austrian Energy Agency  

Europaweit ist die Umsetzung der Energie- und Klimaschutz-Ziele der EU auch für Experten im Gebäudebereich eine große Herausforderung. Mehr als ein Drittel des Endenergieverbrauchs geht derzeit für Raumwärme, Warmwasser und Kühlung in Wohn- und Dienstleistungsgebäuden auf, 2020 müssen es 10 % weniger sein. Im Neubau werden Fast-Nullenergiegebäude verpflichtender Standard, bei bestehenden Gebäuden ist eine Sanierungsrate von 3 % in Österreich das Ziel. Durch nationale Gebäudetypologien ist es möglich, rasch und systematisch eine energetische Beurteilung von Bestandsgebäuden durchzuführen und jene Gebäude zu eruieren, die das höchste CO2-Einsparpotenzial besitzen. Gebäudetypologien eignen sich daher als Ansatz für die Sanierungsplanung von Häusern und Liegenschaften ebenso wie zur Modellierung von kommunalen und nationalen Gebäudebeständen für Energieeffizienz- und Einsparstrategien.

Gebäudeexperte Oliver Rapf (Executive Director – Buildings Performance Institute of Europe), einer von 18 Vortragenden aus ganz Europa beim Tabula-Expertenworkshop, wies auf die Notwendigkeit einer zuverlässigen und kontinuierlichen Datenerfassung hin. Fachexperten aus der Österreichischen Agentur präsentierten konkrete Daten von 28 Referenzgebäuden, die nach nationalen Richtlinien berechnet wurden. Das eigens entwickelte Online-Webtool gewährleistet eine europaweit harmonisierte Energiebilanzierung sowie den Zugriff auf Gebäudedaten aller am Projekt beteiligten Länder. Das EU Projekt Tabula wird vom Darmstädter Institut Wohnen und Umwelt (IWU) koordiniert. Beteiligte Länder sind Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Polen, Schweden, Slowenien, Tschechien und Österreich.

Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, betont die Bedeutung für die Praxis: "Wir verwenden das Instrument der Typologisierung bereits in mehreren Projekten, um etwa die Effektivität von Förderungen oder den Einsatz von Sanierungsmaßnahmen zu prüfen. Diese Entwicklung wird sich sicher fortsetzen."

www.energyagency.at
www.building-typology.eu