07.06.2017
Fachkongress Energie im Krankenhaus

Dezentrale Warmwasserbereitung – die Alternative

Klassisch aufgebaute Warmwassersysteme haben ein hohes Energieaufkommen, daher gewinnt als Alternative die Warmwasserbereitung am „Point of use“ immer mehr an Bedeutung. Marcus Helmecke berichtet darüber beim Kongress Energie im Krankenhaus.

 

DI (FH) Marcus Helmecke, Vizepräsident, Forum Wasserhygiene


 

 

TGA: Können Sie für unsere Leser Ihren Vortrag zum Thema „Dokumentation 4.0 – Risikomanagement bei dezentraler Warmwasserbereitung im Gesundheitswesen“ bitte kurz zusammenfassen?

M. Helmecke: Energieeffizienz und CO2-Reduktion spielen in der heutigen Zeit, in der der Energiebedarf stark ansteigt, eine große Rolle. Klassisch aufgebaute zentrale Warmwassersysteme haben, im Gegensatz zum Heizwärmebedarf der Gebäude, der immer weiterreduziert werden kann, ein hohes Energieaufkommen. Daher gewinnt als Alternative zur klassischen zentralen Warmwasserbereitung, die Warmwasserbereitung am „Point of use“ immer mehr an Bedeutung. Dadurch können Zirkulationsverluste deutlich reduziert beziehungsweise, je nach Art der gewählten Warmwasserbereitung, gänzlich vermieden werden. Der Einzug der dezentralen Warmwasserbereitungsanlagen hat im Wohnungsbau bereits vor Jahren begonnen. Nun hat der Einzug auch in den hygienisch relevanten Bereich wie Pflegeheimen und Krankenhäusern begonnen. Ob diese Systeme neben der deutlich höheren Energieeffizienz auch im Bereich der Wasserhygiene den Standard setzen, werden die nächsten Jahre zeigen.

Da sich die Systeme deutlich von klassischen Warmwasserbereitungsanlagen unterscheiden, befindet sich auch eine entsprechende ÖNORM in Ausarbeitung, die sich dem Thema der dezentralen Warmwasserbereitungsanlagen und deren Betriebsweise widmet.

Durch den Umstand des Einzuges der dezentralen Warmwasserbereitungsanlagen in Krankenhäuser, die vormals mit einer Warmwasserbereitungsanlage versorgt worden sind, nun über 800 Einzelanlagen verfügen, ist schon ersichtlich, dass die mikrobiologische Beprobung deutlich umfangreicher ausfällt. Eine umfangreiche Dokumentation der zusammenhängenden hydraulischen Bereiche, der einzelnen Auslässe und der jeweiligen mikrobiologischen Befunde macht einen sicheren Betrieb der Gesamtanlage möglich. Zudem eignen sich die erhobenen Daten, um eine Aussage über den mikrobiologischen Zustand der Anlage treffen zu können.

Durch den Einsatz entsprechender Softwareprodukte ist es möglich, große Datenmengen zu erfassen und miteinander zu verknüpfen sowie verschiedene Datenformate zu vereinen. Das heißt, mikrobiologische Befunde können entsprechendem Planmaterial zugeordnet und dargestellt werden. Durch die gleichzeitige Definition und entsprechender grafischer Auswertung ist eine risikobasierte Bewertung der Installation möglich.

TGA: Im Mittelpunkt des Kongresses steht das Thema Digitalisierung – Spital 4.0. Welche Erfahrungen haben Sie bisher damit gemacht, welches Potenzial sehen Sie in dieser Entwicklung?

M. Helmecke: Die Digitalisierung schreitet in allen Bereich voran. Besonders in der modernen Gebäudetechnik ist die Digitalisierung bereits weit vorangeschritten. Regelungen von Lüftungsanlagen bis hin zum klassischen Türöffner sind bereits fixer Bestandteil in jeder Gebäudeleittechnik.

Auch der Bereich der Trinkwasserhygiene, wie durch automatische Spülstellen, profitieren von der Digitalisierung. Daher sehe ich persönlich das große Potential der Verknüpfung dieser enormen gesammelten Datenmengen durch geeignete Softwareprodukte, wodurch Risikoanalysen und risikobasierte Systembewertungen erleichtert und durch geringen Personaleinsatz möglich werden.