21.01.2017
GRAZER DEKLARATION

Biomasseverbände fordern CO2-Abgabe

Acht Biomasseverbände unterzeichneten die „Grazer Deklaration“ – darin fordern sie von den politisch Verantwortlichen in der EU eine CO2-Abgabe für fossile Energien; dies sei ein Schlüsselinstrument für eine erfolgreiche Energiewende.

Präsentierten die „Grazer Deklaration“ (v. l.):
Josef Plank, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes,
Günter Liebel, Leiter der Sektion Umwelt und Klimaschutz;
Remigijus Lapinskas, Präsident des Weltbiomasseverbandes und
Godwin Eni Aigbokhan, Generalsekretär des nigerianischen
Verbandes für erneuerbare Energien (REAN).

Bild: HLK/Herrmann  


Vom 18. bis 20. Jänner 2017 trafen sich die weltweit führenden Bioenergie-Experten aus der Forst-/Landwirtschaft, Strom-/Wärmeerzeugung, Mobilität und der Wissenschaft zur 5. Mitteleuropäischen Biomassekonferenz in Graz. Bei dieser Gelegenheit unterzeichneten der Weltbiomasseverband, der Europäische Biomasseverband sowie die die nationalen Verbände Landesverbände aus Österreich, Deutschland, Italien, Slowenien, Kroatien und Serbien die „Grazer Deklaration“, in der sie ihre Forderungen an die EU-Energiepolitik zusammenfassen.

Forderungen an (EU)Politik
Die Schlüsselforderungen sind:
  ►Halbierung des fossilen Energieverbrauchs in der EU bis 2030; Ausstieg aus der fossilen Stromerzeugung
  ►Forcierung aller erneuerbaren Energieträger und eine Verdoppelung des Bioenergie-Endverbrauchseinsatzes
  ►eine 2,5-Verfachung der erneuerbaren Energieträger
  ►Eine CO2-Abgabe als wichtigste Maßnahme für die Erreichung dieser Ziele

Biomasse mit großen Zukunftschancen
Unterstützung für die Forderungen holten sich die Biomasse-Verbände von einem hohen Beamten des BMLFUW: „Mit dem historischen Abkommen von Paris wurde eine neue Ära im internationalen Klimaschutz eingeläutet. Nun gilt es, die globale Erwärmung langfristig auf zwei Grad oder weniger zu begrenzen. Erneuerbaren Energien kommt eine Schlüsselfunktion zu. Besonders große Zukunftschancen bietet die Biomasse – darum treibt das Landwirtschafts- und Umweltministerium ihre Nutzung mit maßgeschneiderten Förderprogrammen weiter voran“, betonte Günter Liebel, Leiter der Sektion Umwelt und Klimaschutz im österreichischen Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, bei der Pressekonferenz. „Bioökonomie spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie ersetzt fossile Ressourcen durch nachwachsende Rohstoffe, garantiert uns eine hohe Versorgungssicherheit und reduziert die Abhängigkeit von Importen fossiler Energie. Für ein lebenswertes Österreich und ein zukunftsfähiges Europa müssen wir alle an einem Strang ziehen – und mit voller Kraft für Umweltschutz, Ressourceneffizienz und die Energiewende eintreten“, so Liebel.

Politik muss Energiewende als Chance sehen
Remigijus Lapinskas, Präsident des Weltbiomasseverbandes, schätzt, dass die Bioenergie in der nahen Zukunft weltweit mindestens 150 EJ (56 EJ in 2013) zur Energieversorgung nachhaltig beitragen kann. Der vielversprechendste Sektor ist die Verwendung von Biokraftstoffen im Verkehr. Die Dekarbonisierung des Wärmesektors durch die Nutzung von Biomasse in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen muss ebenfalls vorangetrieben werden. Eine effiziente Energiebereitstellung aus biogenen Abfällen und Agrarrückständen sowie die Themenbereiche Innovation und Finanzierung werden für den Bioenergie-Sektor künftig entscheidend sein. Um die Energiewende vollziehen zu können, ist eine Strategie für eine schrittweise und jährliche Reduzierung der Nutzung fossiler Brennstoffe weltweit und national wichtig. Ein Schlüsselinstrument ist eine CO2-Abgabe, die auch in der Deklaration von Graz gefordert wird. „Nun müssen die lokalen Regierungen die Energiewende als große Chance begreifen und diesen unvermeidlichen ‚grünen Übergang’ unterstützen“, fordert Lapinskas.

Europa als Vorreiter?
„Die derzeitigen EU-Ziele für 2030 – minus 40 Prozent Emissionen gegenüber 1990 und 27-prozentiger Anteil erneuerbarer Energien – entsprechen nicht den Zielen des COP 21“, stellt Josef Plank, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes fest. „Europa hat aber eine besondere Verantwortung bei der Transformation zu einer fossilfreien Gesellschaft. Technologien, Know-how, Erfahrung, Kapital und positive Beispiele sind wie auf keinem anderen Kontinent verfügbar. Mit einer erfolgreichen Klimapolitik könnte Europa eine Vorreiterrolle übernehmen, und andere Kontinente würden dem europäischen Beispiel folgen“.
Aus diesem Grunde setzen zahlreiche europäische Biomasseverbände mit der Unterzeichnung der Grazer Deklaration ein Zeichen und machen Vorschläge, wie die Klimaziele erreicht werden können. Vor allem die Einführung einer progressiv steigenden CO2-Abgabe wird als zielführend erachtet. Diese müsse zumindest 100 Euro/t CO2 erreichen, um wirksam zu sein, so die Verbände. „Schweden hat uns bereits vorgezeigt, wie mit einer CO2-Abgabe von 120 Euro/t erfolgreich die Energiewende vorangetrieben werden kann. Das Land beweist auch, dass Wirtschaftswachstum und Treibhausgas-Emissionen entkoppelt werden können. Bei einer richtigen Rückverteilung der CO2-Abgabe wird die Wirtschaft langfristig gestärkt und nicht, wie oft behauptet, geschwächt“, so Plank. Neben der CO2-Abgabe wird in der Grazer Deklaration eine Strategie für die europäische Wärmewende und für die Biomasse-Mobilisierung aus den europäischen Wäldern verlangt.

www.biomasseverband.at


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