18.02.2016
STADTENTWICKLUNG

Die Konstruktion von Bauskandalen auf Kosten der Steuerzahler

Bauprojekte der öffentlichen Hand sind erheblicher Teil unserer Baukultur. Umso wichtiger ist ihre transparente und qualitätsvolle Abwicklung. Von der Ideenfindung, Planung, Vergabe bis zur Ausführung und Inbetriebnahme.

Sorgen sich um Planungs- und Baukultur: (v.l.)
Dr. Hannes Pflaum (Pflaum Karlberger Wiener Opetnik Rechtsanwälte),
DI Andreas Gobiet (Präsident des VZI – Verband der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe),
DI Peter Bauer (Präsident der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland),
Arch. DI Bernhard Sommer (Vizepräsident der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland).

Bild:APA-Fotoservice/Schedl  


Mit Sorge beobachten die Kammer und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland, der Verband der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe sowie die Rechtsanwaltssozietät Pflaum Karlberger Wiener Opetnik den Verlust der Planungs- und Auftraggeber(innen)kultur. Die Problematik wird von Arch. DI Bernhard Sommer, Vizepräsident der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, Niederösterreich und Burgenland, nachfolgend näher dargestellt und Modelle zur Lösung präsentiert.
„Wie in jedem komplexen Prozess können und werden hier auch Fehler passieren. Unser Thema ist es, aufzuzeigen, was Fehler besonders begünstigt und wie mit ihnen umgegangen werden sollte, wenn sie passiert sind“, erläutert Sommer.

Fehlerursache Nr. 1 – Mangelnde Projektvorbereitung
Die Öffentliche Hand beginnt mit dem Bau von Projekten oft ohne entsprechende Projektvorbereitungen, also zu einem Zeitpunkt, wo weder die Finanzierung der Projekte in vollem Umfang gesichert noch deren Planung hinreichend abgeschlossen ist.
In Zeiten knapper Haushaltskassen werden auch riskante Finanzierungsmodelle gewagt. Diese Modelle haben oft eines gemeinsam, nämlich dass ihre Planung und Steuerung durch viele Hände geht. Damit steigt der Kontroll- und Zeitaufwand unnötig.
Durch diverse Auslagerungsmodelle wird auch die Kompetenz zur Lösung von komplexen Bauaufgaben und Problemen der Öffentlichen Hand untergraben. Damit kann folglich auch qualifiziertes Schlüsselpersonal nicht länger gehalten werden. Die Schuld wird dann auf andere geschoben, oft auf Planer(innen) und Ziviltechniker(innen).
Ein weiterer Effekt der mangelnden Vorbereitung sind sich daraus ergebende Änderungswünsche während des Planungs- und Bauprozesses. Projekte werden dadurch teurer, die Planungs- und Bauphase erheblich länger.

Fehlerursache Nr. 2 – Billigstbieter statt Bestbieter
Anstelle von Bestbietern werden Billigstbieter beauftragt. Oft, weil es scheinbar einfacher ist, den billigsten Preis zu ermitteln, als das beste und nachhaltigste Angebot auszuwählen. Die Folge sind Claim-Management und Konkurse. Eine weitere Folge ist das unvermeidliche Auftreten von Mängeln sowie die Zerstörung von solide und fair wirtschaftenden Klein- und Mittelbetrieben. Das alles wird zu einem zunehmenden Schlachtfeld für Juristen. Die Anliegen an das Bauprojekt selbst gehen da oft unter.

Fehlerursache Nr. 3 – Mangelnde Fehlerkultur
Fehler in komplexen Systemen werden immer auftreten. Es kommt darauf an, wie man mit diesen umgeht. Priorität dabei hätte Transparenz in der Aufklärung, Verantwortung übernehmen und lösungsorientiertes Vorgehen bei deren Beseitigung. Selbstverständlich müssen die – in einem fairen Verfahren festgestellten Mängel und Schäden – vom Verursacher beseitigt werden.
Es muss aber nicht jeder Baumangel, der vor Fertigstellung und Übergabe entdeckt wird, automatisch zu einem Gerichtsverfahren führen, er kann auch einfach behoben werden. Hier ist Augenmaß von allen Beteiligten einzufordern.
Nicht gerechtfertigte Baustopps, Klagen und die Suche nach Schuldigen außerhalb der eigenen Netzwerke und politischer Verantwortlichkeiten führen nicht zu Lösungen und zum Erfolg. Die Kosten in enormen Höhen trägt letzten Endes immer die Bevölkerung, der Steuerzahler.
Es ist mittlerweile auch zu beobachten, dass durch irrationales Konstruieren von vermeintlichen Schadenssummen die Prozesskosten ins Unermessliche gesteigert werden, ohne dabei einer sachlichen Lösung näher zu kommen. Dies führt u. a. dazu, dass Versicherungen keine Haftungen mehr für Projekte übernehmen können.
Das Problem, so Sommer, erreicht bei der Causa Stadthallenbad seinen vorläufigen Höhepunkt. Es ist ein drohender Verlust an Auftraggeber(innen)kompetenz zu beobachten, der sich ganz allgemein negativ auf die Bau- und Planungskultur, aber auch auf den Umgang mit öffentlichen Budgets, auswirken wird.

Über die mit Sorge zu beobachtenden
Verluste der Planungs- und Auftraggeber(innen)kultur
wurde bei einer Pressekonferenz berichtet,
die gut besucht war.

Bild: APA-Fotoservice/Schedl  



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